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In einen Schrank gepackt gerieten sie in Vergessenheit: Überraschend sind unbekannte Fotos aus der Gründungszeit von Hannover 96 wieder aufgetaucht. Vom 16. Mai an sollen sie in der Ausstellung „Ein Schuss – ein Tor – Hannover” im Historischen Museum gezeigt werden.

Hannover. Es müssen sehr nostalgische Zusammenkünfte gewesen sein. Der Krieg war vorüber, und jetzt trafen sich ein paar Herren im gesetzten Alter, um sich ihrer früheren sportlichen Großtaten zu erinnern. Zwischen 1949 und 1953 trugen die altgedienten Spieler der ersten Mannschaft von Hannover 96 dabei allerlei Dokumente aus der Vereinsgeschichte zusammen: Fotos aus den frühen Jahren des Klubs, schriftliche Erinnerungen an die ersten Spieler oder Postkartenbilder von der Gaststätte Biesel in der Hildesheimer Straße, wo etwa 20 junge Männer den Verein am 12. April 1896 gegründet hatten.

All ihre Schätze klebten die Sportler, die ihren Traditionszirkel nach einem früheren Spieler „Toni-Denecke-Mannschaft” nannten, in zwei Alben. Diese landeten in einem Schrank – und gerieten in Vergessenheit. Für fast ein halbes Jahrhundert.

Jetzt sind die einmaligen Dokumente zur Vereinsgeschichte von Hannover 96 wieder aufgetaucht. Die Enkelin der Schatzmeisterin jener „Toni-Denecke-Mannschaft” hat die Alben nun wiederentdeckt und dem Historischen Museumzukommen lassen – und damit für eine kleine sportgeschichtliche Sensation gesorgt. Denn in ihnen finden sich neben kurzen Texten auch Dutzende Fotos, die bislang unbekannt waren. „Vermutlich wird es jetzt einige Korrekturen an der Vereinsgeschichte geben müssen”, sagt Wolf-Dieter Mechler, der Fotoexperte des Museums.

Noch sind die Schätze nicht detailliert ausgewertet, doch vom 16. Mai an sollen sie in der Ausstellung „Ein Schuss – ein Tor – Hannover” im Historischen Museum gezeigt werden. Die Schau, die anlässlich des 20-jährigen DFB-Pokalsieges von Hannover 96 und zur Fußball-Europameisterschaft präsentiert wird, zeigt auch Reliquien, die an Hannovers Meistermannschaft von 1954 erinnern, und Exponate zur Leichtathletik-Sparte von Hannover 96. „Anfang des 20. Jahrhunderts war diese ungeheuer populär”, sagt Mechler. „Fußballspieler waren oft zugleich Leichtathleten – und Leichtathleten auch Fußballspieler.”

Auf einem der Fotos ist zu sehen, wie ein paar 96er – darunter auch jener Toni Denecke, der später Namenspatron des Traditionszirkels werden sollte – im Jahr 1905 stolz ihre Vereinsfahne präsentieren. Damals firmierte ihr Klub noch als „Hannoverscher Fußball Club von 1896″, kurz „H.F.C.”. Bei dessen Gründung war Fußball noch praktisch gleichbedeutend mit Rugby. Eine historische Aufnahme zeigt vermutlich jenes Team, das am 2. November 1896 das erste Rugbyspiel gegen den „Deutschen Fußballverein zu Hannover von 1878″ bestritt – und eine knappe, aber wohl doch schmerzliche 11:0-Niederlage kassierte.

Die Spieler, die sich auf dem Mannschaftsbild pittoresk um den ovalen Ball gruppiert haben, tragen weiße Mützen – Kopfbälle waren nicht vorgesehen. Andere Fotos aus jenen Jahren zeigen die Spieler in Trikots mit Querstreifen oder großen Karos, wie sie bei Rugbyteams Sitte waren. „Erst Ende 1899 trug der Verein erstmals ein Spiel mit dem runden Ball aus, den kein Spieler mit der Hand aufnehmen durfte – außer dem Torwart natürlich”, sagt Wolf-Dieter Mechler vom Historischen Museum. Am 19. April 1901 beschloss die Mitgliederversammlung dann, künftig kein Rugby mehr zu spielen, sondern „Associations-Fußball”, wie man damals sagte.

Die frühen Bilder, aufgeklebt auf grobes Nachkriegspapier, dokumentieren Partien wie die vom 19. Oktober 1919 gegen „Kurhessen Cassel” oder gegen Mannschaften wie Altona 93 und Holstein Kiel – und sie zeigen die ersten Spielstätten von Hannover 96.

„Die Spieler waren durchweg sechs Tage in der Woche berufstätig, trainiert wurde nur am Sonntagnachmittag auf einem Platz am Schützenhaus, etwa auf dem Gelände des heutigen Schützenplatzes”, sagt Mechler. Die 11:0-Schlappe gegen Hannover 78 kassierte die Mannschaft auf der mit Rasen bewachsenen Innenfläche der Radrennbahn in der Nähe des Pferdeturms. Unweit des Schlachthofes. Aber das war wohl nur Zufall.

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